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VOB & Normen

VOB/C DIN 18363 — Aufmass-Pflichten fuer Maler 2026 erklaert

Tabelle 1, 2 und 3 aus DIN 18363 fuer Malerbetriebe. Wann werden Tueren und Fenster abgezogen, was zaehlt als Nebenleistung — und wo Hand-Kalk Marge frisst.

4 Min LesezeitMalerAkte Team

Wer in Deutschland VOB-Auftraege als Maler ausfuehrt, kommt an DIN 18363 nicht vorbei. Die ATV (Allgemeine Technische Vertragsbedingungen) ist Teil C der VOB und regelt seit der Fassung 2019-09 die Aufmass-Regeln fuer Maler-, Lackier- und Beschichtungsarbeiten. Dieser Artikel erklaert die drei zentralen Tabellen, die typischen Fehler und die Auswirkungen auf die Marge.

Warum DIN 18363 fuer Malerbetriebe relevant ist

Sobald ein Auftrag "unter VOB" vergeben wird — bei oeffentlichen Auftraggebern faktisch der Standard, bei privaten Bauherren auf Architekten-Empfehlung — ist DIN 18363 automatisch Vertragsbestandteil. Das gilt auch, wenn die Norm im Auftrag nicht ausdruecklich erwaehnt wird.

Konkret heisst das: dein Aufmass MUSS den Tabellen der Norm folgen. Andernfalls darf der Auftraggeber die Abrechnung korrigieren, einbehalten oder gerichtlich klaeren lassen. Wer mit Hand-Kalk auf Schmierzettel arbeitet, lebt mit einem Marge-Risiko von erfahrungsgemaess 10-15 % pro Auftrag.

Tabelle 1 — Innenraum-Aufmass Schritt fuer Schritt

Tabelle 1 regelt das Aufmass fuer Innenwand- und Innendecken-Beschichtungen. Die Grundregel ist einfach: Brutto-Flaeche minus Oeffnungen ueber 0,5 m². Die Praxis ist es nicht.

Beispiel-Wohnzimmer:

  • Wand-Brutto-Flaeche: 30 m²
  • Tuer: 2,00 × 0,90 m = 1,80 m² (ueber 0,5 m² → abziehen)
  • Fenster: 1,40 × 1,00 m = 1,40 m² (ueber 0,5 m² → abziehen)
  • Steckdose: 0,08 × 0,12 m = 0,01 m² (unter 0,5 m² → NICHT abziehen)

Netto-Abrechnungs-Flaeche: 30 − 1,80 − 1,40 = 26,80 m².

Klingt trivial — bei einem Wohnungsgrundriss mit 8 Raeumen, 18 Oeffnungen und vier Heizkoerper-Nischen verlierst du den Ueberblick auf Excel-Tabellen schnell.

Tabelle 2 — Decken und Daecher

Tabelle 2 deckt Innendecken und Dachflaechen ab. Die Geometrie wird abgewickelt — Schraegen werden in der abgewickelten Laenge gerechnet, nicht in der Grundrissflaeche. Wer eine 6×4-m-Mansarde mit 30° Dachneigung kalkuliert, rechnet nicht 24 m², sondern 24 / cos(30°) = ca. 27,7 m².

Dachflaechenfenster und Lichtkuppeln gelten wie in Tabelle 1: Abzug ab 0,5 m².

Tabelle 3 — Fassaden mit Abzuegen ueber 0,5 m²

Tabelle 3 ist die VOB-Klammer fuer Fassaden-Auftraege. Die Brutto-Flaeche entsteht aus der abgewickelten Fassaden-Hoehe (von Sockel-Oberkante bis Dachtraufe) und der abgewickelten Fassaden-Laenge.

Drei Spezialfaelle, die regelmaessig falsch gerechnet werden:

  1. Sockel: Wenn der Sockel beschichtet wird, gehoert er zur Brutto-Flaeche. Wenn nicht, bleibt er weg — und wird als separate Position abgerechnet, wenn das Material vom Standard abweicht (z.B. Buntsteinputz statt Fassadenfarbe).

  2. Loggia: Loggien werden separat erfasst — Innenseiten, Decke, Boden. Sie sind nicht Teil der Fassaden-Brutto-Flaeche.

  3. Erker: Erker werden als additive Aussenwand-Flaeche zur Fassade dazugerechnet (alle drei Erker-Seiten plus Decke und Boden, wenn diese aussen liegen).

Die Marge-Streuung bei Fassaden-Auftraegen kommt fast immer aus genau diesen drei Stellen. Ein 10%-Streuung in einer 80.000-EUR-Fassade sind 8.000 EUR — eine Wochen-Loehne fuer drei Mitarbeiter.

Haeufige Aufmass-Fehler und ihre Marge-Folge

In der Praxis sehen wir immer wieder dieselben fuenf Fehler:

  1. Fenster-Abzug uebersehen → Auftraggeber rechnet nach, Abrechnungs-Streit, im schlimmsten Fall Minderung.
  2. Verschnitt-Faktor in der Material-Kalk vergessen (ca. 10-15 %).
  3. Untergrund-Typ ignoriert — Altbau saugt 30-50 % mehr Material als Neubau.
  4. Nebenleistungen separat abgerechnet — Abdeckfolien, Reinigung, Schutzmassnahmen sind im Einheitspreis enthalten und werden nicht separat verguetet.
  5. Besondere Leistungen unter den Tisch fallen lassen — Beseitigen von Altanstrichen, Sperrgrundierung bei Tannin-Schaeden sind separat zu vergueten. Wer das nicht ansetzt, schenkt sie weg.

Wie eine Software das DIN-konforme Aufmass automatisiert

Eine Software wie MalerAkte hinterlegt alle drei Tabellen vollstaendig. Du legst pro Wand-Segment Brutto-Flaeche und Oeffnungen einzeln an, die App rechnet automatisch nach den Regeln "ueber 0,5 m² wird abgezogen" und gibt die Netto-Abrechnungs-Flaeche aus.

Bei Fassaden ist die Logik komplexer: Sockel, Erker, Loggia werden als eigene Geometrie-Bausteine erfasst, mit eigenen Abzugsregeln. Der VOB-DIN-18363-Wissen-Artikel erklaert die Details — der Material-Rechner uebernimmt das Brutto-Netto-Mapping fuer einzelne Auftraege kostenlos.

Fazit

DIN 18363 ist keine optionale Komplexitaet — sie ist die Pflicht-Klammer fuer alle VOB-Maler-Auftraege in Deutschland. Drei Tabellen, vier Spezialfaelle pro Fassade, und eine 0,5-m²-Regel, die in 80 % der Hand-Kalkulationen falsch angewendet wird. Wer das digital fuehrt, stabilisiert Marge und Abnahme.

Mehr im Kontext: unsere Fassaden-Maler-Software-Seite, der Quadratmeter-Berechnungs-Artikel und das Wissens-Modul zu VOB DIN 18363.

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